o. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Gerlinde Weber

Jakob Handerek, MSc
30. Juni 2020
Dr. Klaus Renoldner
2. Juli 2020

10Es scheint sich wirklich noch nicht bis in die Etagen der EntscheidungsträgerInnen durchgesprochen zu haben, dass das einzelne Projekt für sich alleinstehend meist nicht problematisch ist, ja sogar – wie die geplante Ostumfahrung Wiener Neustadts – offensichtliche und auch lautstark verkündete Vorteile bringt, dass aber die Summe aller nach herkömmlichem Strickmuster entwickelten Einzelprojekte immer mehr in den  globalen Kollaps hineinführen.

So zeigt man mit erhobenem Zeigefinger zwar auf Präsident Trump, als einen bekennenden  „Klimawandelleugner“, entscheidet aber selbst ganz in diesem zu Recht angeprangerten Sinne, wenn man Verkehrsprojekte wie Umfahrungsstraßen genehmigt, durch die sicher nicht eine Reduzierung des IV-Aufkommens erzielt, sondern die durch den Abbau von Widerständen zu mehr klimaschädlichen KFZ-Verkehr führen werden. (Nicht umsonst sagen der Volksmund , der Hausverstand, aber auch wissenschaftliche Untersuchungen: „Wer Straßen baut, wird mehr Verkehr ernten“).

Das Gebot der Stunde lautet also, nicht in Einzelprojekten zu denken und diese zu beurteilen, sondern in Systemen! Hierzu noch zwei Basisüberlegungen:

So sollte die Corona- Krise das Bewusstsein gestärkt haben, wie wichtig der Erhalt der Ernährungssouveränität ist, das heißt, die Notwendigkeit die Bevölkerung Österreichs auch bei geschlossenen Grenzen angemessen ernähren zu können. Werden wie im vorliegenden Fall 35 ha beim Bau dieser Umfahrungsstraße der Landwirtschaft entzogen und Großteils versiegelt, so ist das als ein Beitrag zur vorherrschenden Salamitaktik zu werten, die insgesamt dieses existentielle Ziel immer mehr gefährdet.

Es pfeifen mittlerweile wirklich schon die Spatzen vom Dach, dass die Artenvielfalt bei Ökosystemen, Flora und Fauna auch in Österreich dramatisch zurückgeht. So sind beispielsweise seit der Millenniumswende etwa die Bestände an Wirbeltieren und Insekten bis zu 75 % reduziert worden. Auch das ist das Resultat, dass viel zu sorglos Lebensräume durch neue Straßenzüge und Siedlungsgebiete zunehmend zerstört und zerschnitten werden, Emissionen aller Art sowie das Voranschreiten des Klimawandels den Pflanzen und Tieren schwer zusetzen. Wir Menschen sind aber auf die Ökosystemleistungen dieser Mitwelt angewiesen! Auch deshalb darf es kein weiter wie bisher geben!

DIE OSTUMFAHRUNG WIENER NEUSTADT IST ALS EIN BAUSTEIN EINER ZERSTÖRTEN ZUKUNFT WAHRZUNEHMEN UND DARF NICHT GEBAUT WERDEN!

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